Wo man die Freiheit findet-ein Bericht vom Fliegen

Schon immer war es der Menschheitstraum zu fliegen. In unseren Träumen stürzen wir uns von den höchsten Klippen und gehen hoch in die Lüfte statt auf dem Boden aufzuschlagen. Dieses Gefühl kann man jedoch auch in der realen Welt erfahren und leben, indem man einen Sport betreibt, der dem Vogelflug am nächsten kommt. Dazu gehören meiner Meinung nach ausschließlich die nicht motorisierten Flugobjekte, Drachen und Gleitschirme. Bis zu dem Zeitpunkt als mein Mann mit dem Gleitschirmkurs anfing, war das Ganze für mich gedanklich viel zu weit entfernt und ich hätte es niemals für möglich gehalten mich selbst einmal mit einem Flügel aus dünnem Kunststoff in die Lüfte zu erheben. Mein Mann hat mich dann doch sehr neugierig auf dieses Abenteuer gemacht, aber ich war dennoch sehr skeptisch ob das wirklich so toll sein soll. Vom Boden sehen die Gleitschirmflieger immer recht unspektakulär aus und wirklich viel bewegen tun die sich ja nicht. Wie soll man sich da wie ein freier Vogel im Wind fühlen? Doch ich wurde definitiv eines besseren belehrt und mein erster Tandemflug mit einem Gleitschirm wurde zu einem der einschneidendsten Erlebnisse meines Lebens.

Auf in die Freiheit!

In der Tat wurde in den Tiefen meiner Seele ein Gefühl der vollkommenen Freiheit und Grenzenlosigkeit erweckt, sobald die Füße den Boden verließen. Was mir anfangs völlig abstrakt erschien, verwandelte sich mit einem einzigen Moment in das ultimative Gefühl der absoluten Weite und Unendlichkeit. Ihr könnt das selbst sehr gut beobachten in dem Video, das mich in diesem Moment zeigt. Es war ein plötzliches Loslassen des Bewusstseins von den Ketten der realen irdischen Welt unter mir. Mein Tandem-Partner war, glaube ich, recht amüsiert über mein totales Hin- und Weg – Sein. Vor allem war es das absolute Sein.

Gleitschirm tandemflug

Vielleicht empfindet das auch nicht jeder Mensch so. Vielleicht kann nicht jeder Mensch in gleichem Maße loslassen. Aber für mich war es eine unglaublich wertvolle Erfahrung, besonders in Hinblick auf Geist und Seele. Der Fluglehrer hat sogar auf meine Bitte hin ein kleines schnelles Flugmanöver hingelegt bei dem es mein Bewusstsein fast aus dieser Welt katapultiert hätte 😀

Nach der Landung war ich eine Stunde lang wie auf Drogen. Es war ein richtiger Rausch, ich konnte kaum reden vor lauter Überwältigung. Man befindet sich in der Natur. Man erkundet die erhabensten Berge, die weitesten Wälder, und Himmel und Wolken verbinden dich mit Erde und All.

Bericht eines erfüllten Traumes

Mittlerweile kann ich es voll und ganz nachvollziehen warum mein Mann so verrückt nach diesem Sport ist. Ich habe ihn dann noch einmal zu seinen Beweggründen, den Flugschein zu machen, befragt. Schließlich gibt es einige Hindernisse auf dem Weg in die Freiheit und für mich persönlich gehört auch die Überwindung gewisser Ängste dazu. In diesem Interview mit Patrick erfahrt ihr warum jeder fliegen sollte, wie die Ausbildung zusammengefasst abläuft und wie man dann schließlich an dem Punkt steht, von dem so viele träumen: Alleine am Hang, und vor dir die Freiheit!

Landschaft Donzdorf Messelberg

Lieber Patrick, erzähl mir noch einmal für die Leser. Was hat dich zum Fliegen mit dem Gleitschirm bewogen?

Fliegen will doch jeder, schon immer, oder? Zumindest ging es mir so, seit ich denken kann. Wenn immer ich ein Flugzeug am Himmel sah, oder eben noch interessanter, einen Drachen oder Schirm, war mir klar, dass ich das auch machen will. Genau wie einen Fallschirmsprung, der schon ewig auf meiner To-Do Liste stand. Und so wie viele andere Menschen, habe ich mit diesem Wunsch zu lange gewartet. Letztlich gab es keinen Grund zu warten und es war das einzig richtige endlich in die Gänge zu kommen und es zu TUN.

Portrait Patrick

Am Gleitschirm und Drachen hat mich fasziniert, dass man ohne Motor fliegen kann, nur mithilfe von Wind und Thermik. Das entsprach für mich dem ureigensten Menschheitstraum vom Fliegen. Natürlich ist ein Flugzeug eine der größten technischen Errungenschaften, aber es ist eben etwas anderes aus einem Bullauge herauszuschauen, oder als Pilot auf 1000 Instrumente zu blicken. Dann doch lieber im Gurtzeug sitzen, ohne Cockpit und rechts, links, oben und unten so gut wie nichts, vor allem nichts, was die Sicht nimmt und die Luft spüren. Vor allem hat natürlich eine Rolle gespielt, dass man sich dieses Hobby auch als Normalsterblicher leisten kann.

Hattest du zu irgendeinem Zeitpunkt deiner Ausbildung mit Ängsten zu tun, was Sicherheit anbelangt? Hast du niemals Angst abzustürzen?

Wenngleich ich beim Fliegen sehr viel fühle, bin ich doch ein Kopfmensch. Wer die Unfallzahlen ansieht und alleine mit dem Fahrrad und Motorradfahren vergleicht, dürfte schnell beruhigt sein. Sowohl für Drachen als auch Gleitschirme. In den Medien ist es natürlich viel präsenter, wenn ein Mensch vom Himmel stürzt, wenngleich es schon zum Alltag geworden ist, wenn einem Motorradfahrer die Vorfahrt genommen wird.

In der Ausbildung tastet man sich Stück für Stück höher und wird immer sicherer. Wenn ich wirklich Angst hätte, wäre ich wohl einen Schritt zu weit gegangen. Besonders als Anfänger sollte man natürlich auch nicht um jeden Preis starten. Dann lieber den Schirm in den Rucksack packen und eine Wanderung den Berg hinab. Und wenn alle Stricke reißen, hat man ja einen Rettungsschirm dabei.

Warum ein Gleitschirm? Warum kein Drachen?

Naja, die beiden Sportarten haben mich schon immer gereizt und ich werde vermutlich auch einmal beide Scheine machen. Mit dem Gleitschirm wollte ich anfangen, weil er eben praktischer ist und eine Flugschule dafür gleich ums Eck ist.

Preislich und vom Sicherheitsaspekt unterscheiden sich die Sportarten nicht. Den Drachen zu transportieren ist aber umständlicher. Den Schirm kann man mitsamt der ganzen Ausrüstung bequem im Rucksack tragen. Dafür kann man mit dem Drachen auch bei stärkerem Wind gut starten. Hat eben alles vor und Nachteile.

Leider ist das Drachenfliegen eine aussterbende Sportart. Eben weil man sich heute für nichts mehr viel Zeit nehmen will. Der Drachen muss jedes Mal auf und abgebaut werden, den Schirm legt man da schneller aus.

Welche Kosten kommen auf einen angehenden Piloten zu und wie verläuft die Ausbildung?

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Der Schein kostet ungefähr so viel wie ein Führerschein und die Ausrüstung bekommt man sehr gut, gebraucht schon für ca. 3000€. Die laufenden Kosten belaufen sich ca. auf 200€ im Jahr für Versicherung und Ausrüstungschecks. Es ist kein billiges Hobby, aber wenn man bedenkt, dass man fliegt ist es das wert. Man vergleiche es nur mit einem teuren Auto oder dem Motorradfahren. Dinge auf die ich sehr gerne verzichte. Wen es interessiert, einfach mal kurz auf die Homepage der nächsten Flugschule schauen, da sind die Preise meist angegeben.

Im Nachhinein würde ich den Grundkurs wohl bei einer nahegelegenen Flugschule machen und die Höhenschulung gleich in den Alpen bei einer deutschen oder auch österreichischen Flugschule. 2-3 Wochen Urlaub nehmen und am Stück das Fliegen dort lernen. Mit der lokalen Flugschule fährst Du später nämlich auch in die Alpen um die Höhenausbildung zu absolvieren.

Wo und wann darf man überhaupt in Deutschland Gleitschirm fliegen?

Naja, das ist so eine Sache.
Zunächst macht man den A-Schein. Der berechtigt dazu in ausgewiesenen Fluggebieten zu starten, diese nicht zu verlassen und an den zugehörigen Landeplätzen zu landen. Nichtsdestotrotz darfst Du je nach Fluggebiet auf 10.000 Fuß Höhe aufdrehen oder Stundenlang im Aufwind am Berg entlangsoaren. Wenn Du dein Fluggebiet verlassen willst, brauchst Du einen B-Schein. Auch hier gilt aber, dass Du nur auf ausgewiesenen Startplätzen losfliegen darfst. In Österreich z.B. brauchst Du nur das Einverständnis des Grundstückseigentümers. In Frankreich gilt das vol libre. Hier ist alles erlaubt. Man benötigt nicht einmal einen Schein zum Fliegen.

Vom Zeitpunkt her darf man nur tagsüber fliegen und man sollte mehrere Fluggebiete kennen um zu wissen wo man bei welchem Wind startet. Im Flachland tut es auch ein Windenstart. Dabei wird man an einem Seil bis zu 300 Meter in die Höhe gezogen.

Oh, der Wind frischt gerade auf, entschuldigt mich – ich muss los 🙂

Haha, dann viel Spaß und vielen Dank für diese interessanten Einblicke 🙂

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