Moskau-zu meinen Wurzeln

Ab sofort gibt es auf diesem Blog den Bereich “Erlebnisberichte / Reisen” Dort halte ich euch über unsere Welterkundung auf dem Laufenden.

Es ging weiter in die Welt und im Januar reiste ich nach Moskau. Da ich Russin bin und in Moskau geboren wurde, verbindet mich natürlicherweise viel mit dem Ort, auch wenn ich dort nicht aufgewachsen bin.

Wir lebten in Moskau in einer kleinen Wohnung mit vielen Personen zusammen. Auf engem Raum war es damals ganz normal die ganze Familie wohnhaft zu haben. Das hatte natürlich auch etwas Schönes und ich war meinen Großeltern sehr nah.

Altes Foto. Kleinkind umarmt ihre Oma herzlich
Hier war ich in etwa zwei einhalb Jahre alt. Gerade umarme ich meine Oma, die mir bis heute sehr nahe steht.
Kleinkind auf dem Arm von ihrem Opa. Altes vergilbtes Foto
Hier bin ich bei meinem Opa auf dem Arm, der leider schon verstorben ist.

Auswanderung nach Deutschland

1990 wanderten meine Eltern mit mir nach Deutschland aus. Ich war damals drei Jahre alt und verbrachte Kindheit und Jugend komplett in Deutschland. Meine Großeltern, mein Onkel und meine Cousine blieben in Moskau und so hatte ich immer eine Verbindung zu der Stadt. Allerdings verstand ich erst mit 20 Jahren, was es bedeutet in dieser Stadt zu leben.

Ein Blick in das Leben einer gigantischen Großstadt

Nach meiner Ausbildung als Grafikerin machte ich ein zweimonatiges Praktikum bei einer Firma in Moskau, die alle möglichen Dienstleistungen anbot. Schnell wurde mir klar, dass Moskau ein hartes Pflaster für Menschen ist, die danach streben erfolgreich und wohlhabend zu sein. Die Mentalität ist eher grob und schroff. Der moderne Großstadtmoskauer ist darauf aus, möglichst schnell möglichst erfolgreich zu werden. Ich fuhr täglich mehrere Stunden mit der Metro um zu den Orten zu gelangen, wo ich arbeiten sollte, was jeden Tag wo anders war. Das war ein immenser Stress für mich. Es herrschte tiefster Winter und die Metrostationen waren unfassbar überfüllt.

Haltlosigkeit und Alleinsein

Das war einfach so gar nicht meine Welt. Insgesamt wurde ich, mit meiner damals extrem sensiblen und feinfühligen Seele, in dieser Stadt grob durchgeschüttelt. Ich fühlte mich haltlos, verloren und eingesperrt in einem Wald aus Beton.

Moskauer Wohnbezirke im Winter, Sepiatöne
Menschliche Legebatterien. Für mich waren diese Wände aus Tristesse einfach nur faszinierend.

Die Enge der Metrostationen während des Feierabendverkehrs löste bei mir schon fast panikartige Bewusstseinszustände aus. In diesem geschäftigen Treiben war es kaum möglich einen Menschen um Hilfe oder Rat zu fragen. Meistens erntete ich böse Blicke und harsche Antworten. Das machte es mir nicht leicht mich mit der Stadt verbunden zu fühlen oder sie gar als eine Heimat zu betrachten. Ich machte schnell Reißaus zurück in mein gemütliches altes Leben in Deutschland. Auch hatte ich damals noch einen Freund, den ich vermisste und dann summierte sich alles. Im Nachhinein bereue ich ein wenig die Entscheidung so überstürzt die Flucht ergriffen zu haben. Der Plan sah einen Aufenthalt von einem Jahr vor. Ich hielt es einfach nicht aus. Aber so macht man eben seine Erfahrungen.

Eine neue Sicht auf die Stadt

Die Jahre darauf besuchte ich mehrmals meine Familie in Moskau und erlebte immer öfter auch andere, weichere und gütige Seiten der Stadt und der Menschen. Die Nachbarn in diesem Haus sind allesamt sehr nette und hilfsbereite Menschen, die immer bei fehlenden Lebensmitteln aushelfen, oder wenn allgemein Not am Mann ist. Die Stadt hat viele Gesichter.

2017- Silvester und russische Weihnachten in Moskau

Dieses Jahr erlebte ich einen ganz besonderen Jahresanfang. Still und gemütlich mit meiner Oma und meinem Onkel. Mein, zu der Zeit noch von mir getrennter Mann und mein Sohn verbrachten die Feiertage auf Kuba.

Ich landete am Silvesterabend in Moskau und fuhr mit den Öffentlichen zum Haus meiner Oma. Sie wohnt recht zentral, sodass ich keine Probleme mit der Verbindung hatte. Moskau ist generell sehr gut mit der Metro und den Zugstationen vernetzt und die Züge fahren fast immer im fünf bis zehn Minuten Takt. An diesem Abend, es war schon nach sechs Uhr, waren die Metrostationen für Moskauer Verhältnisse gespenstisch leer. Die Leute waren wohl alle schon bei ihren Familien. Die Geräusche und der Geruch dieser Umgebung lösten in mir ein wohliges Gefühl von Zuhause sein aus.

Um sieben Uhr erreichte ich das Haus meiner Oma. Wir schauten den ganzen Abend alte russische Filme und um Mitternacht wurde mit Sekt angestoßen.

Neben Kaviar und Lachs befand sich ein unfassbar köstliches Pilzgericht mit selbst gesammelten Pilzen. Leckere Salate ergänzten das typisch russische Silvestermahl 😉
Meine Omi und ich an Silvesterabend. In Russland ist blinkender Kitsch gern gesehen ^^

Niemals ohne den Fernseher

Es ist erstaunlich wie viele Fernseher in einem Haushalt existieren können. Meine Oma und mein Onkel wohnen in einer drei-Zimmer-Wohnung mit vier Geräten! Wie das geht? Ganz einfach: die Küche hat einen 😀 Und meistens laufen mindestens zwei Bildschirme parallel. In der gesamten Zeit meines Besuches von zehn Tagen, war immer wenigstens ein Fernseher an. Meistens der im Wohnzimmer und noch der in der Küche. Damit man nichts verpasst, wenn man von der Küche ins Wohnzimmer geht. Ich verurteile meine Familie nicht für dieses Verhalten, ich war einfach nur erstaunt welche Wirkung das auf mich hatte. Irgendwie erzeugte das Gedudel manchmal ein wohliges Gefühl von Geborgenheit in mir, insbesondere wenn die uralten russischen Klassiker liefen wie: Ironie des Schicksals oder Ivan Wassilitsch ändert seinen Beruf 😉 Doch die Kehrseite ist einfach die Dauer- Reizüberflutung.

Meine Oma sagt, dass es ohne den Fernseher unerträglich still in der Wohnung ist. Ich persönlich habe mich nach kürzester Zeit nach Stille gesehnt. Ich war irgendwann so überreizt und der Fernseher war immer so laut,dass ich öfter ins Schlafzimmer flüchtete. Um nach draußen zu gehen war es zu kalt (-20 Grad)

Insgesamt denke ich dass Bildschirme uns ganz schön süchtig machen können. Ich erwische mich selbst schon oft genug mit Laptop oder Handy, aber wenn dann noch der Fernseher dazu kommt, wird’s unerträglich.

Neujahr in Moskau – ein Feuerwerk der Farben

Bei frostigen Minusgraden bewunderte ich an Neujahr die geschmückte Innenstadt, die sich mit ihrer Lichterpracht in den eisig glänzenden Straßen in allen Farben spiegelte.

Hier bin ich in dem Lichtertunnel.

Der weiße Schnee ergänzte dieses bezaubernde Bild, indem er die Lichter reflektierte und alles erhellte. Bei dem Anblick fragte ich mich, was da wohl an Stromkosten zusammen kam für die Stadt.

Da mein Vater gerade in der Stadt war, trafen wir uns auf ein Abendessen an Neujahr im sehr schicken Restaurant „Turandot“. Für Veganer wie mich war zum Glück die Option Reis und Gemüse vorhanden, aber im Ernst, schaut euch mal dieses prunkvolle Teil an!

Meine Ernährung

Seit ich auf Reisen bin, habe ich die reine Rohkost Ernährung vorerst auf Eis gelegt. In Russland ist es schon eine Herausforderung eine Mahlzeit ohne Fleisch zu bekommen, und vegan war noch schwieriger. So war es für meine Oma und meinen Onkel auch völlig unverständlich wie ich auf Eier und Milch verzichten kann, wo sie in jedem zweiten Gericht diese Produkte zu sich nehmen und sie für essenziell halten um alle Nährstoffe zu bekommen. Ich unternahm gleich am zweiten Januar einen Einkaufsausflug in den nahe gelegenen Supermarkt.

Hohe Lebenserhaltungskosten

Was ich toll finde ist dass es viel Grün gibt. Viele grüne Kräuter, Spinat und Salat. Leider nicht immer in guter Qualität. Wie überall außerhalb Deutschlands sind die Nüsse unfassbar teuer. Allgemein sind Lebensmittel nicht wirklich günstig und man zahlt ähnliche Preise wie in Deutschland. Die Mieten in Moskau sind sogar mit London vergleichbar. Wenn ich mir dann überlege dass die Rente in Russland für eine Kindergärtnerin weniger als 300 Euro beträgt, bin ich erschüttert und traurig. Wie soll man bitte von diesem Geld leben? Unmöglich.

Zurück zum Essen. Auch in Moskau gibt es gute Spots um gesundes veganes Essen zu genießen, in Form von teuren Restaurants und ein paar wenigen Bio Märkten. Dem Bio- und Gesundheitsstandard in Deutschland hinkt Moskau allerdings ziemlich hinterher. Glücklich wer hier eine eigene Datscha hat, in der er Obst und Gemüse selbst anbauen kann, fernab dem versmogten Stadtkessel. Doch nicht jeder kann sich das leisten und so bleiben die Bedürftigen wieder auf der Strecke.

Umso wichtiger finde ich den Einsatz einer Bewegung, die seit einigen Jahren in Russland entstanden ist und mittlerweile die ganze Welt inspiriert – die Anastasia Bewegung.

Viele haben sicherlich davon gehört und ich werde dazu auf jeden Fall noch einen gesonderten Artikel schreiben. Die Buchrreihe “Anastasia” von Wladimir Megre war für mich ein unfassbar wichtiger Anstoß zum Überdenken gewisser Konzepte. Die Natur des Menschen und seine Verbindung zur ihn umgebenden Natur wurden in diesem Werk, wie in keinem anderen dem Leser näher gebracht. Der Autor und eine entstehende Partei in Russland setzen sich dafür ein, dass jeder Russe einen Sitz auf dem Land erhält, mit der Möglichkeit des Dauerwohnsitzes und einem Hektar Größe. Tatsächlich machte Putin das ganze im fernen Osten Sibiriens bereits jetzt möglich.

Starker Frost

Die meiste Zeit meines Aufenthalts in Moskau betrug die Temperatur unglaubliche -30 Grad. Das war SO kalt, dass wenn man aus dem Haus hinaus lief, sofort die empfindliche Nasenschleimhaut gefroren ist. Oh war das eklig!

Durch den extremen Frost gefroren die Fensterscheiben komplett zu.

Ein kleines Stück Natur

Eines Tages war es plötzlich geradezu sommerlich 😉 und wir liefen bei -5 Grad in einem nahegelegenen Park spazieren. Dieser Ort war erstaunlich. Alles zugeschneit, wie in einem Märchenwald. Und die Eichhörnchen fraßen uns die Zedernnüsse aus der Hand! Das war wirklich ein friedlicher Moment. Ohne Abgase, Lärm und nur einem leisen Stadtrauschen in der Ferne. Dieser Park in Moskau ist riesig, fast schon wie ein ganzer Wald.

Ich verließ die Stadt mit einem Gefühl der Dankbarkeit. Irgendwie fühle ich mich dort mittlerweile heimisch. Der Groll gegen all den Großstadtärger ist verfallen. Es ist ein zwiespältiges Verhältnis zu der Stadt. Ich fühle mich dort auf seltsame Weise wohl und energiegeladen. Ich bin gespannt wie die Stadt noch auf mich wirken wird in den folgenden Jahren.

Es würde mich interessieren, was andere Reisende so in Moskau erlebt haben. Gibt es hier Veganer, die die Stadt ausgekundschaftet haben nach passenden Restaurants und Supermärkten? Ich freue mich über eure Kommentare.

Im nächsten Artikel beschreibe ich euch das genaue Gegenteil von – 30 Grad, nämlich meine Reise nach Costa Rica, wo 30 Grad üblich sind 😀

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